Nach den Tagen an der Küste war mal wieder das Landesinnere und ein wenig Gebirge angesagt. Der Start war allerdings holprig. Und das ist noch sehr milde ausgedrückt. Ich hatte den, zugegebener Maßen nicht gerade perfekten Plan, nach Oamaru nicht in Mount Cook Village zu übernachten, sondern in Lake Tekapo.

Ein Riesensteinmännchen vor einem riesigen Berg: Mount Cook (oder Aoraki), 3754m
Ich dachte, das wäre vielleicht der interessantere Ort. Zwischendurch hatte ich ja auch den Plan, danach direkt nach Kaikuora zum Delphinschwimmen zu fahren. Das wäre ein recht weiter Weg gewesen und Lake Tekapo hätte mir von diesem sehr weiten Weg 120km erspart. Aber Pläne ändern sich hier doch meistens recht schnell. Manchmal kommt man dabei mit seinen eigentlichen Überlegungen nicht ganz hinterher. Ich wußte ja nicht, dass mich Lake Tekapo auch gar nicht haben wollte. Ich denke inzwischen, so verkehrt war das alles auch gar nicht.

Bitte auch auf diese Wasserfarbe achten!!! Wahnsinn!!!
Vom Süden kommend, fährt man an der Straße nach Aoraki/Mount Cook vorbei und muss weitere ca. 50km hinter sich bringen. Doof, wenn man dann im anvisierten Hostel erfährt, dass aber auch gar nichts an günstigen Backpacker Übernachtungsmöglichkeiten frei ist. Michael an der Rezeption des Hostels war so nett, diverse andere Hostels, wenn auch erfolglos, zu kontaktieren. Alles ausgebucht. Als Frau wäre ich noch im YHA untergekommen. Unrasiert wie ich war, war das keine Option. Zelt und Schlafsack hatte ich auch nicht.

On the road to Aoraki
„Wo sollte es denn morgen hin“, wurde ich gefragt. „Mount Cook“. „Warum dann nicht gleich heute?“. Ok, warum eigentlich nicht. Das (einzige) Hostel im Ort hatte auch nichts. Aber Michael hatte noch eine Idee und rief in der Unwin Hut an. Ich hatte den Namen der Hütte erst später mitbekommen und hoffte dann der Name wäre nicht Programm.Ich wusste nur, es hatte was mit dem Alpen Verein hier zu tun.

Das geht von der Ebene ganz schön in die Höhe
Da war wenigstens noch was frei, also schnell hin. Natürlich nicht ohne die obligatorischen Fotopausen. Ich fotografiere übrigens viel zu wenig. Ein Deutscher in der Muellers Hut hat wohl alleine bei einem morgentlichen Spaziergang auf einem Berg 350 Fotos gemacht. Wie ich ja schon mal geschrieben hatte, es ist halt alles relativ. Insgesamt ein Umweeg von 120km. Ich fahr doch sowieso schon mehr als genug…

Da links den grünen Hang ging es hinauf, nur noch viiieeeel höher
Wie sich herausstellte, ist die Unwin Hut auch sehr einfach eingerichtet und man hätte seinen Schlafsack mitbringen sollen. Tja, das konnte ich einfach nicht wissen. Mir wurde erzählt, dass man auch nicht unbedingt einen braucht, da es nachts ja warm genug sei. Natürlich wäre es ein bisschen komfortabler und vielleicht wäre ich dann nicht nachts aufgewacht, um mir mehr Kleidung anzuziehen.

Einer der über 3100 Gletscher Neuseelands. Man achte auf die andersfarbigen "Lakes" links unten. Was für ein Unterschied das Regenwasser so ausmacht.
In der Hütte war eine Bergsteigergruppe. Ein paar übten schon mal mit Seil und auch mit der restlichen Ausstattung vor ihrem anstehenden Ausflug. Ich kann nicht behaupten, dass ich mich dazugehörig fühlte. Also, ab in die „Stadt“, zumindest dachte ich, dass der Ort etwas größer wäre. Zumindest hatte ich einen Shop, einen Bankautomat und, nicht ganz unwichtig nach meinem übereilten Aufbruch aus Lake Tekapo, eine vernünftige Tankstelle. Es gab zumindest so was in der Art. Man konnte nur mit bestimmten Karten, wie einer Neuseeländischen Kreditkarte, bezahlen oder aber im einzigen Hotel eine Gebühr bezahlen, damit jemand rumkommt. Ich dachte an „I’m walking“ und den fröhlich pfeiffenden Mann, der in der Aral Werbung Benzin holen musste und überlegte, ob ich das ähnlich fröhlich machen würde. Also: Safety first, dann blechen wir halt etwas mehr. Der Benzinpreis war dadurch plötzlich fast in deutschen Dimensionen.

Mount Cook Village und das Tal von oben
In der Hütte kam ich mit einer älteren neuseeländischen Frau ins Gespräch. Sie war Künstlerin und hat auch für die Regierung gearbeitet. Sie brachte mich auf die Idee, die Tour zur Muellers Hut zu machen. Die Aussicht auf die schöne Aussicht überzeugte mich. Der Plan für den nächsten Tag war klar.

Eine Lawine in Action (wenn man genauer hinschaut)
Meine Mitfahrerin tauchte auch plötzlich in der Hütte auf und wir entschlossen uns, noch eine kleine Wanderung zu machen. Der Tasman Glacier versprüht auf den ersten Blick nicht den gleichen Charme wie z.B. der Franz Josef Glacier, da der Schnee unter dem Geschotter höchstens zu erahnen ist. Die Blue Lakes entpuppten sich sich zumindest im Licht der untergehenden Sonne als grüne Tümpel. Sie waren aber noch einladend genug für meine Mitfahrerin, um ins Wasser zu springen.

Wie einen „Per Anhalter durch die Galaxis“ schon lehrte, ist es immer hilfreich ein Handtuch dabei zu haben, bzw. in meinem Fall gleich zwei. So konnte ich das größere als Bettdecke missbrauchen. Ich glaube, Douglas Adams hat viele sinnvolle Einsatzzwecke für Handtücher beschrieben, diesen aber vergessen.

Geschafft!!! Das Ziel: Muellers Hut
Die Nacht fing wirklich nicht besonders kalt an, aber irgendwann reichte das Handtuch dann doch nicht aus und man musste ein bisscchen mehr Kleidung anziehen. Aber es ging. Ich war trotzdem froh, dass die nächste Nacht in einem komfortableren Bett in YHA von Mout Cook sein würde.

Ich war wohl doch recht froh, als ich oben angekommen war
Wenn ich mich nicht irre, liegt die Muellers Hut in einer Höhe von 1880m. Nach der Hälfte der Strecke ist man auf einer Höhe von 1250m. Es war also mal wieder eine vierstellige Meterzahl an Höhe, die überbrückt werden musste. Und diesmal fand ich den Aufstieg (und auch den Abstieg) noch schwieriger als bei Roys Peak. Es ging nicht über Schafweiden, sondern man musste über Steingeschotter hochsteigen. Teilweise war es auf dem losen, trockenen Gestein recht steil und rutschig.

Welch eine Aussicht. Das ist schon ein paar Strapazen wert!
Aber unter dem Motto „Never surrender, never give up“ musste das Ziel erreicht werden. Egal unter welchen Verlusten. Auch wenn ich mal wieder mehrfach gezweifelt daran habe. Besonders an dem überhaupt nicht spaßigen steilen und rutschigen Abschnitt. Ein Entgegenkommender meinte allerdings, dass nur noch 100 Höhenmeter zu überwinden seien, bevor der restliche Weg von ca.20 Minuten etwas angenehmer werden würde. Das war einfach zu dicht am Ziel, um noch aufzugeben.

Swim with a view. Dadrin habe ich gebadet. Ohne Beweisfotos. Müsst ihr mir so glauben.
Auf dem Weg fanden sich ein paar Leidensgenossen. Ein Franzmann wollte auf der Hütte übernachten, der wußte, dass er den Weg an diesem Tag nicht wieder zurück musste. Die Frau eines schwedischen Päarchens hat eine Kreuzbandoperation vor sich, nachdem ein 7 Jahre zurückliegender Kreuzbandriss und die späteren Belastungen ein etwas instabileres Knie zurückliessen. Sicherlich eine gewisse Herausforderung und Belastung besonders diesen Weg wieder herunterzulaufen. Aber gemeinsam ertrug sich das Ganze besser.
Endlich kam der Ruf von Vorne, dass man die Hütte sehen kann. Ich fragte nach, ob man sieht, dass sie noch verdammt weg sei. Das war zum Glück nicht der Fall. Allerdings schien es auf dem letzten Teil des Weges, dass die Hütte von Unbekannten immer weiter weggeschoben wurde, aber das ist ja ein altbekanntes Problem.
Die Hütte war sehr modern, sie wurde ja gerade erst vor ein paar Jahren gebaut. Und zum Glück gab es dort frisches Trinkwasser. Bei dem Gedanken an Schnee hatte ich zwar viel zu viel Kleidung mitgenommen, aber zu wenig Wasser. Ist ja nochmal gutgegangen. Und schon wieder hatte ich große Anstrengungen auf mich genommen, um Schneee zu sehen, obwohl ich doch eigentlich extra aus Deutschland vom Winter geflohen war. Seltsam, seltsam.
Zum Glück war die Aussicht auf dem Weg wirklich sehr schön. Man hatte einen guten Blick auf Mount Cook, sowie das gleichnamige Örtchen und diverse andere Gebirgszüge. Es gab auch diverse Lawinen zu bewundern. Zum Glück kündigen sich diese auch durch ein Getöse an, so dass man Zeit hat die Kamera zu zücken und den genauen Ort des Geschehens zu erkunden.
Nach einer ausgedehnten Pause auf der Hütte ging es dann doch irgendwann wieder zurück. Ich hatte nur begrenzt Lust auf den Rückweg, ich wusste ja, was mich erwarten würde. Aber wenigstens wusste ich auch, dass auf der Hälfte des Weges ein netter See (eigentlich war das auch wieder ein Tümpel) auf mich warten würde. Swim with a view. Wo hat man das noch, dass man in einem natürlichen Gewässer Schwimmen kann und auf eine schneebedeckte Gebirgskette schaut? Und das in einer Höhe von mehr als 1200m. Mir fällt da nichts ein. Das Wasseer war noch nicht mal kalt, sonder angenehm erfrischend. Wunderbar. Und die toten Fliegen die auf dem Wasser rumschwammen, erwähne ich mal lieber nicht.

Und noch ein Steinmännchen zum Schluß
Danach ging es dann leider nochmal 1,5h bergab. Ich war froh, als ich endlich im Auto saß und die Dusche und ein geruhsamer Abend immer näher kamen. Ich fragte mich nur die ganze Zeit, wie es möglich war am Morgen zuerst den falschen Weg einzuschlagen. Ich war wohl doch noch nicht so wach und hatte so einen gewissen Umweg durchs Gestrüpp eingeschlagen. Das schönste war wohl das Gefühl, dass man es geschafft hatte und man wurde ja auch durch die schöne und für mich als Norddeutschen sehr ungewohnte Natur belohnt.
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